Die Mipa Story,
oder welchen Klarlack das Werk jetzt benutzt!!!

Bei vielen Scaleracern ist Mipa mit dem Begriff Klarlack gleichgesetzt worden.
Warum eigentlich???
Ein Teil dieser "Schuld" liegt wahrscheinlich bei mir. Ende der 90iger war ich mit den Klarlackierungen meiner Fahrzeuge nicht 100% zufrieden, die Decals wurden nicht so schön eingeebnet und auch der Glanz hätte besser sein können. Ausserdem gingen regelmäßig Decals, durch die in den Spraydosen beigemischten Aerosole kaputt. Beim SRC Kiel gab hingegen es einen Lackierprofi der einwandfreie Ergebnisse erzielte.
Ausser das es sich hier um 2-K Klarlacke handelte wollte er nicht mehr Wissen weitergeben.
Das "kotzte" mich um es mal ganz deutlich zu sagen an, denn ohne das wir unser Wissen untereinander austauschen wird es keine Weiterentwicklung geben. Die die keine Zeit haben etwas zu probieren werden so nicht mal annährend die Ergebnisse von anderen erreichen und irgendwann frustiert das Handtuch werfen.
Wenn Scaleracing ein breitere Basis finden soll ist hier ein Wissensaustausch existentiell.

1999 zog ich in mein Reihenhaus, das genügend Platz für eine kleine Lackierecke hatte und schaffte mir einen Kompressor und eine Airbrushpistole an.
Diese Werkzeuge kaufte ich im Renncenter Hamburg und ein kleiner Airbrush Kurs bei Hans Bär, der guten Seele des Renncenters, war im Preis mit drin.
Neben der Handhabung der Triplex, die mich heute immer noch überzeugt, ging es um das auftragen von
2-Klarlack mit der damals verwendeten Revell Einsteiger Airbrush.
Der Renncenter Hamburg vertrieb damals Artikel der Firma ACT die auch Mipa 2K-Klarlack in ihrem Angebot hatte.
Tja hätte der Lack damals Willi gehiessen, würden die meisten heute wohl mit Willi lackieren.,-))))
Das Ergebnis dieser kleinen Session überzeugte mich jedenfalls voll und schon kurz danach gelangen mir ohne weitere Hilfe einwandfreie Lackierungen.
Nun galt es natürlich nicht mit Wissen hinter dem Berg zu halten sondern es weiterzugeben, also begann ich anderen Leuten von dem Lack und der Art der Verarbeitung zu erzählen.
Weiter bekannt gemacht wurde dieses Verfahren, durch das von mir im Jahr 2000 gegründete Slot/Scaleracingforum und durch einen COL Artikel der 2002 erschien.
Dadurch wurde der Lack richtig populär und durch die steigende Nachfrage begannen einige Händler in ins Programm aufzunehmen.
Ralf Schaffland scherzte seinerzeit, das wohl auch jemand bei Conrad das Forum lesen müsse, denn der Elektronik und Modelbauanbieter nahm diesen Lack ebenfalls in sein Programm auf, was natürlich auch andere Gründe gehabt haben kann.
Ebenso werden sicher auch einige den Lack und die Methode schon vorher gekannt haben.

Inzwischen hörte ich immer wieder von Leuten die schon länger mit 2K-Klarlack hantierten, dass Mipa wohl nicht der Weißheit letzter Schuss sei.
Also probierte ich nacheinander 2K-Klarlacke von Sikkens, Du Pont und Lesonal aus.
Alle drei liessen sich wesentlich dünner auf die Karosserie auftragen, so blieb der Body leichter und der Verbrauch war auch nicht so hoch, was den Nachteil dieser Lacke, den höheren Preis dann wieder egalisierte.
Letztendlich blieb ich auch aus logistischen Gründen beim Lesonal Lack.

Seit 2005 verwende ich also keinen Mipa Klarlack mehr, sondern ausschließlich Lesonal, den ich auch im Werksshop anbiete.
Die Verarbeitung ist ähnlich wie beim in den Werktipps Klarlack beschrieben Mipa Klarlack.
Das Mischungsverhältnis ist etwas anders(100-40), ich füge bei der ersten Schicht ca. 3% Verdünner zu und nebel die Karosserie ein, nach ca. 5-10 Minuten lackiere ich dann eine verlaufende Schicht.
Je nach Güte dieser verlaufenden Schicht bleibt die Karosserie so wie sie ist oder wird nach 24h
(Meist lackiere ich abends und arbeite dann am nächsten Abend an dem Body weiter) nochmal mit 2000er Abralon Pads angeschliffen, gereinigt und nochmals mit 5-7% Verdünner anteil im Klarlack lackiert.
Auch hier wird wieder um Läufer zu vermeiden die erste Schicht nur genebelt, bevor nach 5-10 Minuten eine verlaufende Schicht aufgetragen wird.

Der höhere Anspruch führte auch zu verändertem Werkzeug, so wird heute keine Revell Einsteiger Brsuh mehr genutzt sondern eine Sata Minijet HVLP(ca. 200€). oder aufgrund ganz neuer Erfahrungen eine Trplex Airbrush mit 0,35mm Düse die mir mittlerweile für den klarlack am besten passt.
Diese professionelle Pistole mit einer 0,8mm Düse läßt sich einfach reinigen und verfügt über die Möglichkeit von Rund auch Flackstrahl umzustellen, was die Gefahr von Läufern deutlich minimiert.
Gearbeitet wird mit 1,5-2Bar Druck am Kompressor.
Wichtig bei der Pistiole, die über eine Nebelreduzierung(Der Farbstrahl wird von einem Luftstrahl umgeben) verfügt ist eine ausreichende Kompressorleistung bzw. ein genügend großer Tank.
Ich benutze dafür einen ACT Maxi Kompressor.

Wie perfektioniert man also noch weiter den Klarlack?
Nun zum einen ist natürllich ein staubfreier Raum wichtig, ein paar Tipps dazu sind ebenfalls in den Werkstipps Klarlack beschrieben. Hilfreich ist es ferner den Klarlack über einen Filter oder Sieb in den Mischbecher zu füllen. Eventuelle Partikel die in den Flüssigkeiten sein könnten werden so gefiltert.

Haare und kleine Fussel können beim lackieren mit einer spitzen Nadel oder einer Pinzette aus dem Klarlack herausgeholt werden, aber nur wenn man mit der verlaufenden Schicht noch nicht fertig ist.
Der eventuell auftretende Krater wird beim nächsten Sprühgang wieder zugedeckt.
Entdeckt man solche Fremdkörper erst wenn die verlaufende Schicht fertig ist, Nerven behalten, nix anfassen!
Meist hat man das Glück das diese Stoffe beim Ablüften und aushärten nach aussen gedrückt werden und sich nach Trocknung mit dem Fingernagel wegreiben lassen.

Bei Staubeinschlüssen oder ausgehärteten Lackkügelchen, die von einem vorherigen Lackiergang nachdem die Pistole nicht ausreichend gereinigt wurde stammen,ist es schon schwieriger.
Diese müssen nach dem Aushärten abgeschliffen werden.
Ich fange hier mit einem 1500er Schleifklotz an bis der "Hügel" abgetragen ist.
Dann wird die Karosserie gereinigt und mit 2000er, 3000 und 4000er Papier Nass geschliffen.
Dazwischen immer wieder die Karosserie reinigen.
Anschließend wird die Karosserie mit Schleif-und Polierpaste durchpoliert.
Ggf. kann nun noch ein Finish mittels Wachs aufgetragen werden.

Ob man es sich antut muss jeder selbst wissen, wir haben alle keinen OP udn manchmal steht der Aufwand von 4-5h einfach auch in keinem Nutzen zum ergebnis.

Ich hoffe ich konnte auch diesmal wieder ein wenig helfen und auch mal den Hergang einer Story schildern.
Ich möchte dabei betonen das es hier keinesfalls darum geht heraus zustellen wer eine Sache bekannt und damit für anderen zugänglich gemacht hat.

Neben einer kleiner Werbung für den im Werksshop vertriebenen Klarlack geht es mir darum das auch andere ihr wissen weitergeben.

Nur durch diese weitergabe von Wissen ist das Scaleracing an dem Punkt an dem es heute ist.
Vor 10 Jahren war es den meisten unmöglich einen schnellen und einwandfrei gebauten Scaleracer auf die Räder zu stellen.
Heute ist es dank der extra entwickelten Teile und Verfahren dagegen relativ einafch und von sehr vielen Leuten ausführbar.